GOT einfach erklärt: Was Tierarztkosten wirklich kosten
Kaum ein Begriff taucht in Tierversicherungs-Tarifen so häufig auf wie "GOT". Wir erklären, was sich hinter der Gebührenordnung für Tierärzte verbirgt, warum Rechnungen für dieselbe Behandlung stark variieren können – und warum die Kosten seit November 2022 spürbar gestiegen sind.
Was die GOT ist und wer sie festlegt
Die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) ist eine bundeseinheitliche Rechtsverordnung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, die den Gebührenrahmen für tierärztliche Leistungen in Deutschland festlegt. Sie gibt dabei keine Festpreise vor, sondern einen Gebührensatz pro Leistungsposition, den Tierärzte mit dem ein- bis vierfachen Faktor berechnen dürfen. Auf die errechnete Summe kommt zusätzlich die gesetzliche Mehrwertsteuer von 19 %. Die aktuell gültige Fassung der GOT trat am 22. November 2022 in Kraft und löste die vorherige Version aus dem Jahr 1999 ab, die zuletzt 2020 geändert worden war.
Warum dieselbe Behandlung unterschiedlich teuer sein kann
| Satz | Wann er typischerweise gilt |
|---|---|
| Einfacher Satz | Standardbehandlung ohne besonderen Aufwand |
| Zweifacher Satz | Erschwerte Bedingungen, z. B. ängstliche oder abwehrbereite Tiere |
| Dreifacher Satz | Besondere Schwierigkeit, aufwändige Diagnostik oder Spezialgeräte |
| Vierfacher Satz | Notdienst: nachts, am Wochenende oder an Feiertagen |
Ob ein Tierarzt den einfachen oder einen höheren Satz berechnet, hängt vom tatsächlichen Behandlungsaufwand ab: Komplikationen während der Behandlung, ein unruhiges oder aggressives Tier, das zusätzliches Personal zum Festhalten benötigt, spezielle Diagnosegeräte oder ein besonders spezialisierter Tierarzt können jeweils einen höheren Satz rechtfertigen. Eine Überschreitung des dreifachen Satzes ist grundsätzlich nur zulässig, wenn dies vor Erbringung der Leistung im begründeten Einzelfall mit dem Tierhalter vereinbart wurde – mit einer wichtigen Ausnahme: im tierärztlichen Notdienst darf ohne gesonderte Vereinbarung direkt der vierfache Satz berechnet werden.
Die Notdienstgebühr
Neben dem erhöhten Steigerungssatz kommt im Notdienst eine separate Notdienstgebühr hinzu, die unabhängig von der eigentlichen Behandlung anfällt. Als Notdienstzeiten gelten üblicherweise täglich von 18 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages sowie durchgehend von freitags 18 Uhr bis montags 8 Uhr. Diese Gebühr wird pro Behandlungsfall nur einmal erhoben, auch wenn mehrere Tiere eines Halters im selben Notdiensteinsatz versorgt werden müssen. In begründeten Einzelfällen kann der Tierarzt von der Notdienstgebühr auch absehen.
Warum Tierarztrechnungen spürbar teurer wurden
Die aktuelle GOT-Novelle sollte die Gebühren an gestiegene Praxiskosten anpassen – gestiegene Miet-, Personal- und Materialkosten in Tierarztpraxen machten eine Anhebung nach Einschätzung des Gesetzgebers notwendig. In der Praxis führte das bei vielen Behandlungen zu einer deutlichen Kostensteigerung, die von unabhängigen Quellen unterschiedlich beziffert wird – Größenordnungen zwischen 20 % und 60 % je nach Einzelleistung werden genannt. Besonders spürbar war die Anhebung für Katzenbehandlungen: Vor der Reform lagen die Sätze für Katzen bei vielen Leistungen niedriger als für Hunde, seit der Novelle gelten für beide Tierarten weitgehend identische Gebühren.
Warum die GOT bei der Tarifwahl eine Rolle spielt
Für die Wahl einer Tierversicherung ist die GOT deshalb relevant, weil Tarife sich genau darin unterscheiden, bis zu welchem Vielfachen des GOT-Satzes sie erstatten. Ein Tarif, der nur bis zum einfachen oder zweifachen Satz zahlt, deckt möglicherweise nicht die volle Rechnung ab, wenn Ihr Tierarzt aus berechtigten Gründen den dreifachen oder vierfachen Satz abrechnet – etwa bei einer nächtlichen Notoperation. Viele Anbieter in unserem Vergleich erstatten inzwischen ausdrücklich bis zum vierfachen GOT-Satz einschließlich Notdienstgebühr; dieses Detail sollten Sie beim Tarifvergleich gezielt prüfen, statt sich allein auf den monatlichen Beitrag zu konzentrieren.
Wie stark sich der Steigerungssatz auf die Rechnung auswirkt
Nehmen wir an, eine bestimmte Behandlung ist mit einem GOT-Basissatz von 50 € hinterlegt. Zum einfachen Satz würden dafür 50 € plus Mehrwertsteuer berechnet. Kommt die Behandlung nachts als Notfall zustande und wird zusätzlich der vierfache Satz angewendet, steigt allein diese einzelne Position auf 200 € plus Mehrwertsteuer – hinzu kommt die separate Notdienstgebühr. Bei einer umfangreicheren Behandlung mit mehreren Positionen, Diagnostik, Medikamenten und eventuell einer Operation summieren sich solche Faktoren schnell zu einer Gesamtrechnung im vierstelligen Bereich. Genau dieses Szenario – ein nächtlicher Notfall mit mehreren kostenintensiven Positionen – ist der Kernfall, für den sich eine Tierversicherung mit hoher GOT-Erstattung besonders auszahlt.
Warum sich ein Kostenvoranschlag lohnt
Steht eine planbare, nicht akute Behandlung an – etwa eine Zahnsanierung oder eine geplante Operation ohne Notfallcharakter – dürfen Sie den Tierarzt um einen schriftlichen Kostenvoranschlag bitten. Dieser gibt Ihnen vorab Orientierung über die voraussichtliche Rechnungshöhe und den angewendeten Steigerungssatz, sodass Sie diese Information direkt mit Ihrer Versicherung oder Ihrer eigenen Kalkulation abgleichen können. Weicht die tatsächliche Rechnung später erheblich vom Kostenvoranschlag ab, lohnt sich eine Nachfrage beim Tierarzt zur Begründung der Abweichung – etwa wenn während der Behandlung unvorhergesehene Komplikationen aufgetreten sind, die einen höheren Steigerungssatz rechtfertigen.
Häufige Fragen zur GOT
Was ist die GOT?
Die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) ist eine bundeseinheitliche Rechtsverordnung, die den Gebührenrahmen für tierärztliche Leistungen in Deutschland festlegt. Sie ist für alle niedergelassenen Tierärzte verbindlich.
Wie viel darf ein Tierarzt im Notdienst berechnen?
Im tierärztlichen Notdienst darf zusätzlich zu den Behandlungskosten der bis zum vierfachen GOT-Satz sowie eine gesonderte Notdienstgebühr berechnet werden.
Muss der Tierarzt vorher sagen, welchen Satz er berechnet?
Eine Überschreitung des dreifachen Satzes außerhalb des Notdienstes muss vor der Behandlung im begründeten Einzelfall vereinbart werden. Im Notdienst ist der vierfache Satz auch ohne vorherige Vereinbarung zulässig.
Seit wann gilt die aktuelle GOT-Fassung?
Die aktuelle Fassung trat am 22. November 2022 in Kraft und ersetzte die vorherige Version aus dem Jahr 1999.
Warum ist eine Katzenbehandlung heute teurer als früher?
Vor der GOT-Novelle 2022 lagen viele Gebührensätze für Katzen niedriger als für Hunde. Seit der Reform gelten für beide Tierarten weitgehend identische Sätze, wodurch Katzenbehandlungen spürbar teurer wurden.
Ist die Mehrwertsteuer in den GOT-Sätzen enthalten?
Nein, auf die errechnete GOT-Summe kommt zusätzlich die gesetzliche Mehrwertsteuer von 19 % hinzu.
Bis zu welchem GOT-Satz sollte meine Tierversicherung erstatten?
Idealerweise bis zum vierfachen GOT-Satz einschließlich Notdienstgebühr, damit auch teure Notfallbehandlungen vollständig abgedeckt sind.
Wann darf ein Tierarzt von der Notdienstgebühr absehen?
Im begründeten Einzelfall kann der Tierarzt auf die Erhebung der Notdienstgebühr verzichten, ist dazu aber nicht verpflichtet.
Recherchiert anhand der Tierärztegebührenordnung (GOT) vom 15. August 2022, in Kraft seit 22. November 2022 (gesetze-im-internet.de), sowie Informationsseiten der Bundestierärztekammer. Stand Oktober 2026.